Am 14. Oktober gingen Bereitschaftspolizisten der Nationalpolizei gegen eine Informationsstreikpostenkette während eines Streiks und einer akademischen Arbeitsniederlegung an der Universität Complutense Madrid (UCM) vor. Studierende und Beschäftigte der Universität, die sich friedlich auf den Weg zur Fakultät für Chemische Wissenschaften machten, wurden verletzt, festgenommen oder in Gewahrsam genommen. Die Universität hatte den Einsatz nicht angefordert, heißt es in dem Bericht, der den Vorfall mit einer umfassenderen Debatte über die Präsenz der Polizei auf dem Campus und die Autonomie der Universitäten verknüpft.
Universitätsautonomie ist nicht nur eine rechtliche oder administrative Garantie, sondern auch die Fähigkeit einer Gemeinschaft, Entscheidungen zu treffen, sich selbst zu organisieren und Konflikte mit eigenen Verfahren zu bewältigen. In Spanien trug der studentische Aktivismus während der Franco-Zeit dazu bei, die Universitätsautonomie als Grundrecht in der Verfassung von 1978 zu verankern. Dem Bericht zufolge kann diese Autonomie sowohl durch Polizeieinsätze als auch durch Kürzungen geschwächt werden, die öffentlichen Universitäten weniger Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten lassen.
Der Artikel beschreibt eine umfassendere Ausweitung der polizeilichen Beteiligung am Bildungswesen: von Polizeibeamten, die an Schulen tätig sind, und von der Polizei geleiteten Vorträgen im Unterricht bis hin zu polizeibezogenen Studiengängen und Aufbaustudienprogrammen an öffentlichen Universitäten. Diese Initiativen können der Polizei die Rolle einer Autorität in gesellschaftlichen Fragen zuschreiben und zugleich sicherheitsorientierte und strafende Ansätze in die Auseinandersetzung mit Konflikten einbringen.
Der Autor weist außerdem auf ein Ungleichgewicht zwischen den Institutionen hin: Öffentliche Universitäten stehen unter Finanzierungsdruck, während Polizeieinrichtungen zusätzliche Mittel und Möglichkeiten erhalten, Bildungsprogramme aufzubauen. Aus dieser Sicht können Universitäten der Polizei kulturelle Legitimität verschaffen, während polizeinahe Programme den Universitäten eine Finanzierungsquelle bieten können.
Als Alternative wird vorgeschlagen, Konflikte auf dem Campus gemeinsam zu bewältigen – durch Beratung und abgestimmte Reaktionen, statt standardmäßig Schuldzuweisungen und Bestrafungen vorzunehmen. Die Aussage lautet nicht einfach, dass die Polizei dem Campus fernbleiben sollte, sondern dass Polizeiarbeit dort nicht zur vorherrschenden Methode des Konfliktmanagements werden darf.
Quellen: El País Sociedad.