Eine Läuferin sagt, eine Konfrontation mit einem Fremden auf einer dunklen Straße hätte ihre nächtlichen Läufe beinahe beendet. Der Mann schrie sie an, weil sie nach Einbruch der Dunkelheit lief, warf ihr einen Schlüsselanhänger mit Alarmfunktion zu und fuhr dann davon. Obwohl er ihr körperlich nichts antat, erschütterte sie die Begegnung und veränderte ihr Verhältnis zum Laufen im Winter im Freien.
Sie hatte reflektierende Bänder an Armen und Knöcheln getragen und das Licht ihres Telefons benutzt, um den Boden zu sehen. Am nächsten Tag vermied sie es, nach Einbruch der Dunkelheit draußen zu laufen, redete sich ein, es sei zu kalt, und benutzte stattdessen ein Laufband. Nach und nach ließ sie Läufe aus, wenn sie es nicht bei Tageslicht nach draußen schaffte, und verlor später ihren Schlüssel fürs Fitnessstudio.
Die Läuferin beschreibt, dass sie im Winter unter anhaltender Energielosigkeit und gedrückter Stimmung litt. Ihre Therapeutin sagte, eine saisonal-affektive Störung sei eine wahrscheinliche Diagnose, doch auch ein Wintertief komme infrage, und empfahl Bewegung. Bis zum Frühling hatte sie ihre Fitness eingebüßt und ein Schienbeinkantensyndrom entwickelt. Den Rest des Jahres versuchte sie, sich davon zu erholen und wieder mit dem Laufen anzufangen.
Zunächst erzählte sie Freunden von der Begegnung, als wäre sie eine alberne Geschichte. Ihre Reaktionen halfen ihr zu erkennen, dass der Versuch des Mannes, sie zu beschützen, sie stattdessen noch mehr verängstigt hatte. Sie kam zu der Überzeugung, dass Frauen, die nachts laufen, nicht das Problem sind und dass Sicherheitsbedenken nicht dazu benutzt werden sollten, ihnen die Verantwortung für das Verhalten eines Fremden zuzuschieben.
Entschlossen, einen weiteren Winter zu vermeiden, in dem sie sich vom Sport zurückzog, nahm sie das Laufen nach Einbruch der Dunkelheit wieder auf. Sie berichtet, dass sie farbwechselnde LED-Leuchtstäbe um den Oberkörper trägt und eine Brustlampe benutzt, um den Weg vor sich auszuleuchten. Bei einem Lauf am Delaware River entlang leuchteten die grünen Lichter auf einer nahegelegenen Brücke in derselben Farbe wie ihre eigenen – ein Moment, der ihr Freude bereitete.
Die Stille beim nächtlichen Laufen hilft ihr, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, schreibt sie. Wenn ihr jemand auf der Strecke begegnet, bleibt sie aufmerksam und wechselt manchmal die Straßenseite oder erhöht ihr Tempo. Doch die Dunkelheit ist zu einem geschätzten Teil ihres Tages geworden, und sie läuft weiterhin.
Quellen: Runner's World.
