Hals-Nasen-Ohren-Ärzte in Spanien fordern ihre Kollegen auf, Syphilis als mögliche Ursache für Hörverlust in Betracht zu ziehen, da die Infektionszahlen weiterhin hoch sind. Laut einer US-amerikanischen Studie kann die Krankheit in etwa einem von 200 Fällen das Hörvermögen beeinträchtigen. Schäden können auch dann auftreten, wenn andere Infektionszeichen fehlen oder unbemerkt geblieben sind.

Zu den Fällen, die im Oktober auf dem 77. nationalen Kongress der Spanischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie Kopf- und Halschirurgie vorgestellt wurden, gehörte ein Patient, bei dem die Syphilis zunächst nicht erkannt worden war. Später entwickelte der Patient einen raschen Hörverlust. Eine Antibiotikabehandlung beseitigte andere Symptome, doch der Hörschaden blieb bestehen und machte schließlich Cochlea-Implantate erforderlich.

Syphilisbedingte Hörprobleme können plötzlich einsetzen oder sich mit der Zeit verschlimmern, ein oder beide Ohren betreffen und mit Tinnitus, Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen einhergehen. Diese Symptome veranlassen Ärzte normalerweise nicht dazu, Syphilis zu vermuten, sagt Montserrat Asensi Díaz, HNO-Ärztin am Gregorio-Marañón-Krankenhaus in Madrid. Die größte diagnostische Herausforderung bestehe darin, die Möglichkeit einer Otosyphilis zu erkennen.

Spanien verzeichnete 2025 11.879 Syphilisfälle, gegenüber 11.964 im Jahr 2024, wie aus dem jüngsten Bericht des Gesundheitsinstituts Carlos III hervorgeht. Der Rückgang um 0,7 Prozent folgte auf ein Jahrzehnt mit starken Zunahmen und ließ die Fallzahlen nahe dem höchsten Stand der seit 1995 geführten Zeitreihe. Victoria Hernando von der Überwachungseinheit des Nationalen Epidemiologiezentrums für HIV, sexuell übertragbare Infektionen und Hepatitis sagte, die Fallzahlen hätten sich stabilisiert, lägen aber weiterhin auf hohem Niveau.

Wie viele Infektionen in Spanien zu Hörkomplikationen führen, ist unbekannt. Die nationale Überwachung erfasst frühe Syphilis, verfolgt aber nicht die Entwicklung auditiver Komplikationen. Eine Studie der US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention fand ohrbezogene Symptome bei 0,4 Prozent von 41.187 Syphilisfällen. Die Autoren wiesen darauf hin, dass durch eine unvollständige Erfassung möglicherweise einige Fälle übersehen wurden.

Hörverlust kann in jedem Stadium der Syphilis auftreten, auch in frühen Stadien, und das erste Anzeichen einer Infektion sein. Asensi zufolge kann die Abklärung eines plötzlichen Hörverlusts eine Anamnese, eine Untersuchung, Hörtests und Bluttests auf Syphilis sowie Untersuchungen auf andere Ursachen umfassen. Die Behandlung, in der Regel mit intravenösem Penicillin, sollte so früh wie möglich beginnen. Ist der Schaden irreversibel, können Antibiotika zwar die Infektion beseitigen, das Hörvermögen aber nicht wiederherstellen.

In einer von Asensi und ihrem Team durchgeführten Übersichtsarbeit erlangten 22 von 44 Patienten nach der Behandlung ihr Hörvermögen vollständig zurück, während bei 12 eine teilweise Erholung eintrat. Hörgeräte können helfen, wenn der Hörverlust bestehen bleibt; Cochlea-Implantate kommen infrage, wenn Hörgeräte nicht ausreichen.

Hernando verweist auf die Förderung von Kondomen, Kampagnen für Bevölkerungsgruppen mit höherem Risiko, Schulungen im Gesundheitswesen und einen leichteren Zugang zu Tests als wichtige Präventionsmaßnahmen. Asensi rät Menschen mit Hörverlust, insbesondere bei plötzlichem Hörverlust, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und fordert Ärzte auf, Syphilis als mögliche Ursache in Betracht zu ziehen.

Quellen: El País Sociedad.