Das Wandern eines Abschnitts der mittelalterlichen Via Francigena zwischen Camaiore und Sarzana offenbart eine schroffe Seite der Toskana, die oft auf Postkarten fehlt. Anstatt der ikonischen, von Zypressen gesäumten Kämme und weißen Schotterstraßen südlich von Siena verläuft diese Route entlang der Apuanischen Alpen, die sichtbare Narben aus zwei Jahrtausenden des Marmorabbaus tragen. Die Landschaft wird von riesigen Steinkuben dominiert, die darauf warten, in Arbeitsplatten verwandelt zu werden, während Wanderer schmale Asphaltstreifen nutzen, die sie mit dem lokalen Verkehr teilen müssen.

Die Autorin begleitete eine Freundin auf etwa 80 Kilometern ihres Sabbatical-Wanderwegs und entdeckte, dass dieser Abschnitt als die "B-Seite" des berühmten Pilgerwegs fungiert. Während die letzten 96 Kilometer nach Rom überfüllt genug sind, um das offizielle Testimonium-Abschlusszertifikat zu erhalten, bleibt dieser nördliche Abschnitt weitgehend leer. Selbst im Jahr 2025, einem Heiligen Jahr, in dem der Weg Rekordzahlen verzeichnete, vollendeten nur etwa 12.000 Personen die gesamte Reise, wobei geschätzt wird, dass jährlich 100.000 Menschen einen Teil der 2.000 Kilometer langen Route wandern. Dies steht im starken Kontrast zum Camino de Santiago, für den im selben Zeitraum über 530.000 Abschlusszertifikate ausgestellt wurden.

Das Erlebnis erforderte eine Abkehr vom leichten Touristenansatz hin zum Tragen der gesamten Ausrüstung aufgrund des Fehlens von Gepäckbeförderungsdiensten auf diesem spezifischen Abschnitt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit unzureichender Ausrüstung erwies sich die Einsamkeit als lohnend, wobei über mehrere Tage hinweg nur sechs andere Wanderer getroffen wurden. Die Reise bot intime Begegnungen mit der Natur, einschließlich des Sammelns von Minze, Brombeeren und Kastanien, sowie Ausblicke auf alte Olivenhaine und Hügelstädte.

Das Essen entlang dieser Route erforderte keine Reservierungen und bot Zugang zur lokalen Küche ohne Touristenmengen. Die Mahlzeiten reichten vom rustikalen Meeresfrüchte-Risotto in Seravezza bis hin zu Pasta aus Maismehl in Massa und gipfelten im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Locanda de' Banchieri in Sarzana. Die Reise hob die Attraktivität des Franciacorta-Sekt hervor sowie die einfachen Interaktionen mit Einheimischen, wie etwa einen älteren Fahrer, der beim Vorbeifahren auf der Straße ein Wort der "Calma" (Ruhe) anbot. Letztendlich zeigte der Wanderweg, dass das Vermeiden der malerischsten und überfülltesten Abschnitte ein authentischeres und friedlicheres Italien offenbaren kann.

Quellen: Outside.